Hirtenwort des Erzbischofs an die Gläubigen

Liebe Brüder und Schwestern im Erzbistum München und Freising,

sicher war es für viele von Ihnen überraschend, von meiner Bitte an den Heiligen Vater zu hören, auf mein Amt als Erzbischof zu verzichten. Mein Brief an Papst Franziskus und meine persönliche Erklärung dazu sind ja veröffentlicht und zugänglich.

Ich will das, was ich in diesen Texten geschrieben und in meinem Statement vor den Medien gesagt habe, hier nicht wiederholen. Auch für mich überraschend kam die Antwort des Papstes wenige Tage später, und ich habe ihm gegenüber und öffentlich deutlich gesagt, dass ich – für mich selbstverständlich – im Gehorsam seine Entscheidung akzeptiere.

Nach seinem angebotenen Amtsverzicht und dem Antwortbrief von Papst Franziskus sagt Kardinal Reinhard Marx in einem Hirtenwort „neu Ja zu meinem Dienst als Erzbischof von München und Freising“. In dem Schreiben an die Gläubigen, das am kommenden Wochenende in den Pfarreien bekannt gemacht wird, betont Marx zugleich: „Meinen Dienst als Bischof verstehe ich nicht als ein Amt, das mir gehört und das ich verteidigen muss, sondern als einen Auftrag für die Menschen in diesem Erzbistum und als Dienst an der Einheit der Kirche.“ Keinesfalls werde er „einfach weitermachen, als sei nichts geschehen“, so Marx. Mit Blick auf die Gründe für seinen angebotenen Amtsverzicht stellt er fest: „Einschneidend bleibt für mich die Erkenntnis, dass im Raum der Kirche so viele Menschen Unheil und Leid erfahren haben und nach wie vor daran schwer tragen.“

Seit dem Jahr 2010, in dem die Tragweite geschehenen Missbrauchs in Kirche bekannt zu werden begann, „weicht für mich nicht der Schock, dass dies Schreckliche von Amtsträgern und Mitarbeitern der Kirche geschehen ist und wir Bischöfe das möglicherweise nicht immer intensiv genug gesehen haben oder sehen wollten“, so Marx. Es sei „unerlässlich und zugleich eine Herausforderung, dass wir den Opfern und Betroffenen zuhören und von ihnen lernen dürfen“. Erst in jüngerer Zeit habe zudem das Verstehen begonnen, „dass und wie sehr sexueller Missbrauch und Gewalt auch Konsequenzen für das Leben von indirekt Betroffenen haben, etwa in den Familien oder auch in unseren Gemeinschaften und Pfarreien“. Nun gehöre es zur Aufarbeitung dazu, „dass wir auch hier das Gespräch suchen und nach Wegen eines neuen Miteinanders suchen, wie ich es erst vor kurzem in Begegnungen wieder erfahren habe“, so Marx.

Das ganze Hirtenwort lesen Sie bitte hier [externer Link].

Hinweis: Das Hirtenwort steht unter erzbistum-muenchen.de/kardinal-marx zur Verfügung.