Kirche braucht Struktur-Wandel

Es war keine leichte Aufgabe für Dr. Markus Roth, Geschäftsführer vom Rosenheimer Bildungswerk, im Pfarrzentrum von Heilig Blut: Als Moderator der gut besuchten Podiumsdiskussion zum „Synodalen Weg“ mit dem Titel „Glaube leben“ musste er offizielle Informationen und persönliche Ansichten der Teilnehmer innerhalb von 90 Minuten in eine verständliche Struktur bringen. Im Fokus standen dabei die vier Foren des Gesprächsformats innerhalb der römisch-katholischen Kirche, wie sie in den Arbeitskreisen der Synodalversammlung diskutiert werden: „Frau in der Kirche“, „Sexualmoral“, „Macht“ und „Priester“. Veranstaltet hatten den Abend die Verantwortlichen der Dekanate Rosenheim und Chiemsee zusammen mit der Stadtteilkirche-Am Wasen.

Neben Schwester Maria Stadler von den Missionarinnen Christi, die als Leiterin des Dachverbandes aller Ordensleute an den Versammlungen teilnimmt, diskutierten Dr. Armin Wouters, Ordinariatsdirektor im Erzbistum München und Freising, der Fachbereichsleiter für Ökumene, Dr. Florian Schuppe, sowie Constantin Bischoff für die Berufsgruppe der Pastoralreferenten. Neben Domkapitular Dekan Pfarrer Daniel Reichel und Prodekan Sebastian Heindl, Pfarrer der Stadtteilkirche-Am Zug, nahm auch das pastorale Team der Stadtteilkirche-Am Wasen im Publikum Platz.

Übereinstimmend positiv beurteilten alle die Tatsache, dass es bei den Beratungsbeiträgen nicht um unterschiedliche Aspekte des Katholisch-Seins geht, sondern, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und seine Mitsprache in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden müssen. Die Kirche brauche nicht eine geistliche Veränderung, sondern müsse sich in ihrer Struktur wandeln, hieß es. Viele Gläubige halten die Stellung der Frau in der Kirche für nicht mehr tragbar und stellen zudem die Macht der Ämter in Frage.  Zwar haben die Verantwortlichen der Kirche die Veränderungen in der Gesellschaft schon lange erkannt – nachzulesen in verschiedenen Sozialpapieren – doch über lange Zeit Debatten unterbunden oder notwendige Veränderungen hinausgeschoben. Dadurch habe sie an Glaubwürdigkeit verloren, so eine Einschätzung.

Bedauerlich sei, dass erst durch die Aufdeckung der Missbrauchsskandale und unter dem daraus entstandenen Druck in der Öffentlichkeit, vor allem der Medien, die Notwendigkeit entstand, diese Themen in einer Synodalen Versammlung zu diskutieren. „Nun ist es höchste Zeit für die Kirche, ihre Hausaufgaben zu machen“, war zu hören.

Wegen der pandemiebedingten Vorschriften war die Veranstaltung zweimal verschoben worden. Umso mehr freuten sich die Veranstalter jetzt, dass die sachlichen Einschätzungen der Teilnehmer zum Verlauf und zu den Erfolgsaussichten der Synodalversammlungen die bestehende Skepsis bei vielen der zahlreichen Zuhörern etwas aufzulösen konnten.

Text und Foto: Marianne Eckardt